Von:
Gerhard Monninger

e-erde.de

Es war der überwältigendste Anblick, den sie in ihrem Leben bis dahin hatten: die drei Astronauten der Apollo 10 - Mission erblickten am 18. Mai 1969 durch die Sichtluke ihrer Raumkapsel als erste Menschen die Erde – von außen, die ganze Erde. Es war der Beginn einer im wahrsten Sinne neuen „Weltanschauung“. Auf dem schwarzen Hintergrund des Weltraums kreist ein blauer Planet von zarter Schönheit, umgeben von einer hauchdünnen Gasschicht, der Atmosphäre, die Menschen, Tiere und Pflanzen das Atmen ermöglicht. Von da draußen im Weltraum macht der Planet keinen wuchtigen, massiven Eindruck, sondern einen höchst verletzlichen, gefährdeten. Das Wunder, dass dieser Planet zur Heimat des Lebens wurde, ist absolut unbegreiflich. Ein paar erstaunliche Faktoren mussten dafür zusammenkommen:

Der erste betrifft die Entfernung zur Sonne: Rund 150 Millionen Kilometer ist der Abstand zu ihr. Wäre er nur ein wenig weiter, wäre die Erde ein Eisplanet; wäre er ein wenig kürzer - alles Wasser auf der Erde würde verdampfen.

Der zweite Faktor: das ideale Maß – die Erdgröße. 12.756 Kilometer beträgt der Durchmesser der Erde am Äquator. Ein Planet von geringerem Ausmaß könnte nicht genügend Schwerkraft aufbringen, um eine Atmosphäre zu halten. Die lebenswichtigen Gase Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid würden sich im All verflüchtigen.

Drittens: ein verlässlicher Halt – der Mond. Mit seiner Masse bremst er die Rotationsgeschwindigkeit der Erde ab und stabilisiert die Erdumdrehung. Auf einem trudelnden Planeten würden Äquator und Pole dagegen alle paar Millionen Jahre ihre Position tauschen. Die Folge: jähe Klimawechsel.

Viertens: unser kosmischer Schirm Jupiter. Der größte und massereichste Planet fängt mit seiner Schwerkraft heranfliegende Asteroiden und Kometen ab, oder katapultiert sie zurück ins Universum. So bewahrt er die Erde davor, dass dauernd Himmelskörper auf ihr einschlagen. Das sind noch längst nicht alle „Wunder“, die das Leben auf dem Globus möglich machen.

Manche fromme Menschen sehen in diesen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen den zwingenden Beweis für die Existenz Gottes. Das Leben auf der Erde - das kann kein Zufall sein. Dahinter steckt ein „intelligent design“ und der Designer ist Gott selbst. Viele Christen, vor allem in den USA, denken so. Die Gottesleugner müssten ihrer Meinung nach auf die Knie gehen und an den Schöpfer des Himmels und der Erde glauben. Müssten sie?

Mir ist dieser Gedankengang nicht fromm genug. Wir können doch den Glauben an den Schöpfer nicht davon abhängig machen, ob man ihn beweisen kann. Dann würde letzten Endes unser Verstand darüber richten, ob es ihn gibt. Es gibt keine Beweise für Gott, so wie es auch keinen Beweis dafür gibt, dass es ihn nicht gibt. An Gott glauben, bedeutet nicht, ihn für existent zu halten, sondern ihm zu vertrauen, sich ihm anzuvertrauen.

Ja, ich bin auch von Staunen, mehr noch, von Ehrfurcht erfüllt, wenn ich mir vor Augen führe, welchen Wundern der Erdgeschichte wir unser Leben verdanken. Es löst eine große Dankbarkeit in mir aus, ich möchte singen: Großer Gott, wir loben dich. Und ich beginne, den blauen Planeten als ein Geschenk Gottes zu lieben.